Mein Ziel: DIE Rente! ???

 

Ende 2016 war ich auf verschiedenen Festen. Ich habe gelauscht und mich wieder einmal gefragt, wie es sein kann, dass so viele Menschen über ihre Arbeit, Kollegen und Chefs stöhnen und sich beschweren. Und auf ihre Rente warten. Und was sie dann Alles tun würden.

 

Wenn ich es mir recht überlege, hörte es sich bei den Anderen so an, als ob sie jetzt ein ganz übles Leben haben. Fürchterlich. Und die Rente ist die Erlösung.

 

Ich wurde auch gefragt, wann ich in Rente gehen könnte und was ich dann täte: "Ich werde so lange arbeiten, wie ich kann, denn ich liebe meine Arbeit. Ich möchte nichts Anderes machen."

 

Stille. Richtige Stille.

 

Ich habe mich gefragt, ob ich so naiv oder blind war, dass ich diese Stimmungen nicht mitbekommen habe. Oder bin ich durch meine Arbeit geblendet? Zu mir kommen ja Menschen, die sich verändern WOLLEN.

 

Ist es tatsächlich so, dass die meisten Menschen ihren Job NUR machen, um Geld für ihre Freizeit und Rente zu sparen, damit sie DANN endlich leben können? ...damit sie dann in Urlaub fahren, Länder bereisen können? Für ein paar Jahre in denen sie wahrscheinlich krank sind, vielleicht gebrechlich?

 

Dabei ist es doch gar nicht so schwierig, etwas zu verändern: 
Wenn mir meine Wohnung nicht gefällt, suche ich mit eine Andere.
Sind meine Haare nicht schön, gehe ich zum Friseur.

Aber ich bin erschüttert. Das Verharren und Ertragen und Meckern ist bei so Vielen Normalität, mir scheint es sogar so zu sein, dass es "gefällt"? Auf jeden Fall hat es mich zum Nachdenken und recherchieren angeregt und ich habe festgestellt, dass es tatsächlich verschiedene Gedankenansätze und Ausrichtungen gibt, die ich gar nicht alle beleuchten kann.

 

Die Rente wurde ursprünglich eingeführt, um Menschen, die früher hauptsächlich körperlich gearbeitet haben, die Möglichkeit zu geben, sich auszuruhen. Dies geschah bereits 1881. Der 17.11.1881 gilt als Geburtsstunde der deutschen Sozialversicherung unter Otto von Bismarck. Viele Menschen arbeiteten unter Tage, in Lagern oder Fabriken. Eine Minderheit arbeitete in Büros oder im Einzelhandel.


Heute ist DIE Rente ein fester Bestandteil unseres Lebens. Es gibt festgesetzte Grenzen/Zeiten, es gibt feste Rentenzahlungen und private Rentenzusatzversicherungen.

 

Auf der Suche nach einer guten Definition für die ZEIT der Rente habe ich so gut wie nichts gefunden. Es gibt unendlich viele Beiträge für die Rente als "Zahlungsmittel", aber nicht wirklich eine Erklärung für die Zeit.

 

Wikipedia erklärt so: "Ein Rentner ist grundsätzlich eine nicht mehr überwiegend erwerbstätige Person, die ihren Lebensunterhalt aus einer Rente, also einer gesetzlichen oder privaten Versicherungsleistung, bestreitet."

 

Also was bedeutet es, in Rente gehen? Ist es das erstrebenswerte Ziel unseres Seins? Die Zeit der Rente?

 

Ich habe wirklich lange darüber nachgedacht und mit Einigen gesprochen. Die Personen, mit denen ich gesprochen habe, kommen fast alle aus einem Büroumfeld, wenige sind Handwerker.

Dabei habe ich festgestellt, dass es vorwiegend 3 Wege gibt:

 

1. Arbeiten bis endlich das Rentenalter erreicht ist

2. Arbeiten und leben bis das Rentenalter erreicht ist

3. Arbeiten und leben solange es Spaß macht

Im Punkt 1. liegt viel Unmut, Unwille und Unselbständigkeit.

 

Im Punkt 3. liegt viel Freude, Erfüllung und Spaß.

 

Punkt 2 ist eine Mischung, die sehr viele Menschen inne haben, auch wenn ich erst dachte, die Menschen, die auf die Rente warten, überwiegen.

 

1. Viele Arbeitnehmer arbeiten nicht (mehr) gerne, da sie Probleme mit Vorgesetzten oder Kollegen haben. Bei einigen ist es wohl auch so, dass sich das Aufgabenfeld mit den Jahren verändert hat.

Warum verstehen sich die Menschen aber nicht mehr untereinander? Oft ist es mangelnde Kommunikation. Ich habe Sätze gehört wie "der hört eh nicht zu", "die interessiert sich nicht für ...", "Chefs Liebling" oder auch "so ein Egoist, da versuche ich es gar nicht erst".

 

Auf meine Frage, warum sie es nicht für sich selber versuchen, bekam ich keine wirkliche Antwort.

 

Einige sagten, sie würden unter der mangelnden Wertschätzung der Kollegen und vornehmlich der Vorgesetzten leiden. Sie werden nicht gelobt, nur gefordert und angemeckert. Führungskräfte scheinen dort wenig Empathie mitzubringen.

 

So entstehen offensichtlich häufig innere Kündigungen. Diese Zahl ist steigt kontinuierlich.

 

Wenn die Aufgabe keinen Spaß mehr macht, versuchen Arbeitnehmer, sich intern zu bewerben, werden aber meist nicht genommen. Da würde es an Qualifikation mangeln. Somit steigt der Frust weiter und die Lust an der Arbeit sinkt rapide.

 

Wenn jetzt alle Punkte zusammenkommen, ist der Tiefpunkt erreicht. Manche bewerben sich nun extern.

 

Manche warten... Warum? "Weil ich schon so lange hier bin, dann würde ich meine Betriebsrente verlieren." "Wer will mich in meinem Alter (54) noch haben?" "Ich getraue mich nicht, ich weiß gar nicht, wie das geht!" "Ich möchte meine finanzielle Sicherheit nicht aufs Spiel setzen."

 

Und diese Letztgenannten sind die, die auf ihr Rentenalter warten. Und die dann "loslegen" werden. Die sich dann all das erlauben und machen wollen, wovon sie Jahrzehnte geträumt haben. Wenn sie dann noch gesund sind. Wie schade und wie traurig. Diese Menschen ergeben sich ihrem Schicksal. Jetzt schon, anstatt wenigstens ihre Energie in ihre Freizeit zu stecken und hier Erfüllung zu finden.

 

Die, die sich an ihrem beruflichen Tiefpunkt bewerben und noch einmal die Chance ergreifen, können oft noch mal richtig durchstarten und sich beweisen. Kaum eineR hat diesen Schritt bereut.

 

Aber es gibt auch Menschen in dieser Gruppe, die Erfolg haben und schon Vieles erreicht haben und trotzdem unzufrieden sind. Oder der Traumjob ist nach all den Jahren einfach nicht mehr der Traumjob. Allerdings unterscheiden sie sich von dem oberen Teil durch wesentlich mehr Eigeninitiative und Eigenverantwortung. Sie agieren an diesem Punkt.

 

Diese Menschen kommen zu mir und gemeinsam schauen wir, welchen Weg es weitergehen kann. Welche Optionen offen stehen und ob Träume und Visionen umgewandelt werden können in neue Ziele.

 

2. Menschen, die ihre Arbeit machen und auch leben, scheinen Beides zu lieben. Und sie halten in ihrem Leben meistens eine gute Balance. "Meine Arbeit macht mir nicht immer Spaß, aber das gibt sich auch wieder. Dann gehe ich früher nach Hause und treffe mich mit Freunden oder unternehme etwas mit der Familie." "Wenn mich etwas stört, spreche ich darüber. Da ist es egal, ob es meine  Chefin oder der Kollege ist. Danach ist es wieder gut."

 

Diese Menschen haben auch ein gutes soziales Netz und sind zufrieden mit sich und ihrer Umwelt.

 

3. "Arbeiten, so lange es Spaß macht und es geht" das habe ich häufig von Menschen gehört, die selbständig sind oder ein Unternehmen führen. Natürlich gibt es 1.000de Angestellte, die auch so empfinden, aber auch sie sind meist Menschen, die Verantwortung für sich und ihr Umfeld übernommen haben. (Das können z.B. auch Politiker sein, oder Schauspieler die bis ins hohe Alter arbeiten.)

 

Manchmal ist es die Verzweiflung in der Anstellung, oder ein Wiedereinstieg nach einer Elternzeit. Oft aber ist es ein innerer Motor, ein Antreiber. Nicht immer positiv initiiert, aber das ist ein anderes Thema.

 

Wir, und dazu zähle ich mich auch, streben nach Mehr, nach Erfüllung oder nach einem wirklich ausgefüllten und ausgeglichenen Leben. Wir wollen etwas verändern, bewirken.

 

Wir leben im Jetzt und das voller Freude. Dieser Weg ist nicht immer der Leichtere. Auf einmal gibt es Aufgaben, die wir früher NIE bedacht haben, z.B. Buchhaltung, Akquise, Verkauf unserer Leistung bzw. unserer Person. Aber diese Aufgaben übernehmen wir gerne, da wir unsere Träume erfüllen können. Wir haben eine Arbeit, die uns wirklich Spaß macht und erfüllt. Mit entsprechenden Strukturen und Strategien können wir so sehr lange und oft bis zum Ende selbständig sein.

 

"Heute liebe ich was ich mache - hey, ich habe diese Woche Urlaub und ich freue mich schon wie bolle auf Montag, wenn ich wieder arbeiten gehe :-) So ein Gefühl kannte ich ´als Angestellte` nicht mehr."

 

"Und ja, ich bin auch total begeistert von dem, was ich mache und möchte auch arbeiten, so lange es geht. Denn es macht einfach Spaß - mit Sicherheit!"

 

"Ich habe den Schritt letztes Jahr getan und jetzt meinen absoluten Traumjob gefunden"

 

Diese Menschen brennen für ihre Aufgabe. Vielleicht träumen sie schon viele Jahre genau davon oder sie haben ihr Hobby zum Beruf gemacht. Aber damit dies wirklich zu einer neuen Lebensaufgabe, einem neuen Beruf für den Rest des Lebens führen kann und erfolgreich ist oder wird, bedarf es auch Disziplin, sehr hohe Bereitschaft, sich einzubringen und auch ab und an auf Etwas zu verzichten.

 

Manchmal ist es Freizeit, manchmal ist es der große Reichtum und manchmal ist es die Sicherheit.

 

Aber IMMER ist es die Selbstverwirklichung, -erfüllung und der Glaube an sich und das es BESSER gehen kann, sollte, die motivieren und es zu versuchen.

 

 

Wartest du auf die Rente? Wartest du auf dein Leben?

 

Oder was genau hindert dich daran, am Leben, an der Arbeit Spaß zu haben?

 

Meist ist es ein langer Prozess der Unzufriedenheit, bevor der Gedanke auftaucht, etwas an seiner eigenen misslichen Lage zu verändern oder etwas zu riskieren um glücklich zu werden. Veränderung ist immer ein Schritt ins Ungewisse. Aber ein Neuanfang kann befreiend sein und alte Muster, nörgelnde Kollegen und Chefs zu verlassen, ist oft ein Befreiungsschlag mit der Frage: „warum habe ich DAS nicht schon früher getan?

 

Ihre Claudia Wolf

www.cwp-management.com

 

 

P.S. Ich möchte noch erwähnen, dass diese Eindrücke nur eine Momentaufnahme und ein ganz kleiner Ausschnitt meiner Wahrnehmungen sind. Vielleicht erleben Andere all das ganz anders, vielleicht ist der Eindruck in Städten anders als in Dörfern und vielleicht liegt es auch an der Art der Aufgabe, die wir erfüllen.

 

Bilder von Pixabay


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Kommentare: 1
  • #1

    Sevtap (Dienstag, 31 Januar 2017 09:08)

    Hallo,
    Ja so ist es. Die Mehrzahl der Menschen warten auf die Rente damit sie endlich " leben und Frei " sein können.
    Warum wechseln sie ihre Arbeit, ihre Wohnung, ihre Umgebung usw. einfach wenn sie unglücklich sund?
    Weil sie keine richtige, echte Wahl dazu haben.
    Es fängt immer damit an wo man hinein geboren wurde. In welchem Familien Kultur und Finanziellen Möglichkeiten ist man? Ist man in eine "einfache " , nicht so Wissens- und Finanzenreiche Familie oder in eine höhere Bildung und gute Finanzen besitzende Familie?
    Es gibt natürlich auch Ausnahmen, die durch starken Willen und Kampf das erreichen, wovon sie träumen...
    Die Lebensmöglichkeiten sind sehr individuell und vielfältig.
    Es gibt weniger Menschen, die sich in ihrer Beschäftigung richtig glücklich sind und sie vermissen, wenn sie mal nicht arbeiten würden... Mehrzahl arbeitet um Geld zu verdienen, zum Familie zu gründen, wünsche zu erfüllen. .. Deshalb gibt es viele die keine Ausbildung machen und irgendwas anfangen, bei dem man mehr Geld bekommt, als in einem Berufsausbildung...
    Ich glaube es hängt viel von Umständen ab in dem man lebt, ob man Erfolgreich in einem geliebten Beruf arbeitet oder nur das machen kann, was ihnen ( offensichtlich?) möglich ist...

    Jemand der beide Seiten selbst nicht erlebt und durchlebt hat, kann sich das nicht richtig vorstellen.

    Liebe Grüße
    Sevtap